An dieser Stelle finden sich weitere Datierhilfen für spezielle Fälle, bei denen Jahres- angaben auf Münzen nicht in indisch-arabischen Zahlzeichen angegeben sind, für die sich jedoch ein eigener Rechner oder Translator nicht lohnt, weil es sich entweder nur um kurze Zeiträume handelt oder die Anzahl der unterschiedlichen Nominale / Emissionsjahre nur sehr gering ist, oder beides. Selbstverständlich sind die hier dargestellten Sonderfälle nicht als abschließend zu verstehen.
Der Name des kurzlebigen japanischen Vasallenstaates Mandschukuo erinnert nicht von ungefähr an die geografische Region Mandschurei, denn genau dort, im Nordosten Chinas und im Grenzgebiet zu Russland, errichtete Japan in den von ihm eroberten bzw. besetzten Gebieten 1932 den Marionettenstaat, der eine nicht unerhebliche Fläche umfasste, jedenfalls für europäische Verhältnisse. Ebenso wie in Japan gab es auch hier eine Art Staatsmotto oder Regierungsdevise, das auch numismatisch relevant ist, da sich an ihm nicht nur die spezifische Herkunft aus Mandschukuo, sondern auch das Ausgabejahr bestimmen lässt. Die Datierung erfolgt dabei in gleicher Weise wie bei chinesischen und japanischen Münzen aus dieser Zeit, wobei festzustellen ist, dass das Ausgabejahr auf Münzen der Währung Mandschukuo Yuan in zwei verschiedene Ären verweist, nämlich zum einen auf die Datong-Ära (大同) und zum anderen auf die Kāngdé-Ära (康德), die, was das Ärenzeichen betrifft, eine Besonderheit aufweist, nämlich eine Änderung des Ärenzeichens. Dies ist an sich schon ein außergewöhnlicher Vorgang, noch außergewöhnlicher, da mit allen Traditionen brechend, wurde das bisherige Ärenzeichen gene den Eigennamen des Kaisers (Puyi) getauscht: 溥儀 - 溥 = Puˇ, 儀 = yıˊ; gelesen wird die Jahresangabe allerdings von rechts nach links, so wie damals traditionell üblich. Diese mehr als unübliche Änderung lässt sich nur als politisches Signal nach außen verstehen, denn Mandschukuo (auch Mandschuko / Manshū teikoku [満洲帝国 - "Mandschurisches Kaiserreich" bzw. "Kaiserreich Mandschukuo", zuvor 満洲国 Manshūkoku "Staat Mandschukuo", chin. 滿洲國 = Mǎnzhōuguó "Staat Mandschukuo"]) war keineswegs ein international anerkannter Staat - tatsächlich wurde er völkerrechtlich nur von einer Minderheit, die 23 Staaten umfasste, anerkannt (darunter Nazi-Deutschland). Der Grund dafür lag darin, dass Mandschukuo, wie eingangs angeklungen, als japanischer Vasallen- und Marionettenstaat gegründet wurde, wobei als "Herrscher" von Japans Gnaden ein eher tragischer Charakter, dessen Schicksal (teilweise) sogar verfilmt wurde ("Der letzte Kaiser" von Bernardo Bertolucci, 1987) fungierte. Dabei handelte es sich um Kaiser Puyi (Aisin Gioro Puyi, 愛新覺羅•溥儀 oder 爱新觉罗•溥仪, * 1906, † 1967), der gleich dreifach Kaiser war - nämlich der wortwörtliche Kaiser von China (1908 - 1912, inthronisiert mit gerade einmal zwei Jahren durch Übernahme des "„Mandats des Himmels), während einer sehr kurzfristigen Restaurationsphase des innerlich zwischen Warlords und der Kuomintang zerrissenen Chinas (1917) und schließlich zunächst Präsident des Staates Mandschukuo und dann (1934) eben dort als Kaiser ausgerufen, oder besser, im Rahmen eines ebenso geschickten wie hinterhältigen politischen Schachzugs Japans, installiert. Diese Phasen schlagen sich auch, wie angemerkt, numismatisch nieder und machen Münzen aus jenen Phasen an der Ären-Bezeichnung erkennbar. Dabei gilt: - Datong-Ära (大同, so viel wie "Große Gemeinsamkeit" oder im weiteren Kontext "Große Harmonie") 1932 - 1934 - Kāngdé-Ära (康德) (1934 - 1945, in etwa "Tugendhafte Stabilität") und - Ärenzeichen-Wechsel innerhalb der Kāngdé-Ära von 康德 zu 儀溥 (ab 1942) und schließlich 1945 wieder zu 德康. Diese Münzen lassen sich also recht einfach datieren, allerdings mit einer kleinen Abweichung zur z.B. Datierung japanischer Münzen: Hier begann mit dem Ärenwechsel nach Errichtung des Kaiserreichs keine neue Regierungszeit, ganz im Gegenteil wurden die Regierungsjahre, da es sich um denselben Regenten handelte, fortgeführt. Anhand der derzeit ermittelbaren Münzen in öffentlich einsehbaren Datenbanken etc. ergibt sich insofern folgendes Bild von nachgewiesenen Nominalen und Jahrgängen:
Abschließend bleibt anzumerken, dass die Wikipedia zur Währungsbezeichnung Mandschukuos eine erstaunliche Auskunft gibt, nämlich eine erstaunlich verwirrende und zum Teil unzutreffende. Dort findet sich die Angabe: Währung 1 Gen (元) = 100 Bun (分). Allerdings gab es in Mandschukuo niemals eine Währung namens Gen, schon gar nicht mit dem Gannenzeichen (元) als Währungskürzel, sondern lediglich jene Währungsbezeichnungen, die in der obigen Tabelle aufgeführt sind. Allerdings ist dies auch nicht ganz falsch, denn der chinesische Yuan wird durchaus mit dem ebenso ausgesprochenen Zeichen 元 benannt (Währungssymbol ist allerdings ¥) - nur heißt er eben nicht Gen. Dies ist tatsächlich der japanische Name des Zeichens selbst (in der Aussprache eben "Gen"), das im japanischen übrigens soviel wie "Ursprung" bedeuten kann, hier also verstanden als Hinweis auf die Leiteinheit (eine Ableitung von Gen stellt das sog. Gannen-Zeichen, eben 元, dar, das auf japanischen Münzen das Jahr des Kaiserwechsels anzeigt; vgl. den Info-Text des Yen-Münzen-Datierers). Bei "Bun" (分) handelt es sich wahrscheinlich um einen japanischen Begriff, der übersetzt soviel wie kleinste Einheit oder Cent bedeuten kann oder könnte. Allem Anschein nach stammen diese Bezeichnungen aus japanischen Münzkatalogen, Geschichtsbüchern oder historischen japanischen Dokumenten, wo sie ev. als interne Bezeichnungen verwendet wurden. Jedenfalls entsprechen sie in dieser Form nicht den offiziellen Mandschukuo-Bezeichnungen. Zudem unterschlägt der Wikipedia-Eintrag die asiatische Währungslogik, insbesondere die chinesische, da dort traditionell 1 Yuan = 10 Jiao = 100 Fen gilt (wobei der Jiao mit dem Zeichen 角 und der Fen mit 分 symbolisiert wird). Also wie 1 Euro, 10 Cent, 1 Cent. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Der französische Revolutionskalender (calendrier révolutionnaire français) oder auch republikanischer Kalender (calendrier républicain) bezieht sich auf die Französische Revolution (1789) bzw. auf die damit einhergehende Abschaffung der Monarchie (1792), galt vom 22.09.1792 bis zum 31.12.1805 und wurde zum Jahr 1806 durch Napoleon wieder abgeschafft bzw. durch den vorher in Frankreich verwendeten gregorianischen Kalender ersetzt. In der Münzprägung machte sich dieser Kalender jedoch erst ab 1793 bemerkbar; ab diesem Jahr wurden Münzen mit einem auf diesen Kalender bezogenen Prägejahr versehen und in der Form L'AN II angegeben. Im ersten Emissionsjahr, dem Jahr 2 des Kalenders, wurde auf den Rückseiten der Münzen in den meisten Fällen zusätzlich noch das gregorianische Jahr (1793) angegeben. Ab 1794 wurde darauf verzichtet, und die römische Bezifferung (II) wurde gegen die übliche indisch-arabische Bezifferung ausgetauscht, so dass nun mehr die Jahresangabe in der Form L'AN 3 . (für 1794 usw.) erfolgte; Münzen mit dem Jahr 1 oder I existieren offenbar nicht, so dass sich folgende Liste von Prägejahrangaben bis zur Abschaffung des Kalenders ergibt: L'AN II . = 1793 (größtent. zusätzl. revers 1793) L'AN 3 . = 1794 L'AN 4 . = 1795 L'AN 5 . = 1796 L'AN 6 . = 1797 L'AN 7 . = 1798 L'AN 8 . = 1799 L'AN 9 . = 1800 L'AN 10 . = 1801 L'AN 11 . = 1802 L'AN 12 . = 1803 Anzumerken bleibt, dass dieser Kalender bei den Franzosen nicht gerade beliebt war, da seine Einführung auch durch Säkularisierungsbestrebungen und aus wirtschaftlichen Gründen erfolgte - so entfielen nicht nur die zahlreichen kirchlichen Feiertage, die nunmehr normale Arbeitstage waren, sondern auch die Sieben-Tage-Woche, die durch eine Zehn-Tage-Woche ersetzt wurde und damit durch weitere Arbeitszeit. Ähnliche Ideen in der heutigen politischen Diskussion sind also keineswegs innovativ, sondern greifen im Gegenteil auf eine lange Tradition derartiger "Verbesserungen" oder "Anpassungen an neue Zeiten und Notwendigkeiten" zurück. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Bereits 1911 rief die Mongolei ihre Unabhängigkeit von China aus, ohne diese jedoch konkret durchsetzen zu können. Dies gelang erst 1921 mit Hilfe russischer Truppen; 1924 schließlich wurde die Mongolische Volksrepublik ausgerufen, die dann zu einer der Sowjetrepubliken wurde. Insbesondere das Jahr 1911 spielt bei der Datierungs- angabe einiger mongolischer Münzen offenbar eine Rolle – denn trotz des Sowjetrubels, der in allen Sowjetrepubliken als Zahlungsmittel verwendet wurde, prägte die Mongolei zumindest eine Zeit lang auch eigene Münzen. Diese weisen hinsichtlich des Prägejahrs eine Besonderheit auf, denn anders als beim Rubel fand hier nicht die Angabe nach gregorianischem Kalender Anwendung. Vielmehr zeigen die Münzen Prägejahre in Zahlzeichen der traditionellen mongolischen Vertikalschrift (auch Uigurisch-Mongolische Schrift), später in indisch-arabischen Zahlzeichen. Dabei handelt es sich um folgende Münzen (das in der Klammer angegebene Jahr steht nicht auf der Münze, sondern verdeutlicht nur die zeitliche Zuordnung; die Angabe OH hingegen ist in Verbindung mit 35, also 35OH, geprägt): 1 Möngö, 15 (1925) ᠑᠕ 1 Tögrök, 27 (1937) ᠒᠗ 2 Möngö, 15 (1925) ᠑᠕ 2 Möngö, 27 (1937) ᠒᠗ 5 Möngö, 15 (1925) ᠑᠕ 5 Möngö, 27 (1937) ᠒᠗ 10 Möngö, 15 (1925) ᠑᠕ 10 Möngö, 27 (1937) ᠒᠗ 15 Möngö, 15 (1925) ᠑᠕ 15 Möngö, 27 (1937) ᠒᠗ 20 Möngö, 15 (1925) ᠑᠕ 20 Möngö, 27 (1937) ᠒᠗ 50 Möngö, 15 (1925) ᠑᠕ 1 Möngö, 35 (1945) 35OH 2 Möngö, 35 (1945) 35OH 5 Möngö, 35 (1945) 35OH 10 Möngö, 35 (1945) 35OH 15 Möngö, 35 (1945) 35OH 20 Möngö, 35 (1945) 35OH Nach 1945, also dem Ende des II. Weltkriegs erfolgte keine eigenständige mongolische Münzemission mehr. Die Zeichen ᠑᠕ sowie ᠒᠗ stehen dabei für 15 bzw. 27, was den Jahren 1925 und 1937 entspricht. Die Angabe des Prägejahrs scheint dabei einer Art "Unabhängigkeitskalender" zu folgen (den es jedoch offiziell nicht gab). Allerdings ergibt sich eine kleine Diskrepanz, da die erste Unabhängigkeit 1911 ausgerufen wurde, auf den Münzen aus dem Jahr 1925 somit also 14 und nicht 15 stehen müsste. Möglicherweise hängt dies allerdings mit den Neujahrsverschiebungen (Januar oder Februar) des traditionellen mongolischen, lunisolaren Kalenders zusammen, was jedoch nur eine Vermutung darstellt, wenn auch eine mit hohem Wahrscheinlichkeitswert. Dies würde jedenfalls die Angaben auf der Münze zulässig erklären, zumal es kein anderes Ereignis gibt, aus dem sich eine alternative Erklärung ergeben könnte. Die spätere Datierung der Münzen aus dem Jahr 1945 mit "35OH" verweist ebenfalls auf das 35 Jahr der Unabhängigkeitsaufrufung, die Kalenderverschiebung zu 1910 vorausgesetzt. Das OH scheint dabei für mongol. "Ön" zu stehen, was übersetzt schlicht "Jahr" bedeuten dürfte. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Aus bisher nicht ermittelbaren Gründen gibt es einige moderne Münzen aus Aserbaidschan, die keine Angabe des Prägejahrs aufweisen, nämlich • 1 Qəpik • 3 Qəpik • 5 Qəpik • 10 Qəpik • 20 Qəpik • 50 Qəpik All diese Qəpik-Stücke stammen jedoch stets aus dem Jahr 2006. Eine Gegenrecherche hat hierzu ergeben, dass es keine weiteren Qəpik-Stücke ohne Angabe des Prägejahrs zu geben scheint, so dass eine Datierung solcher Münzen mit 2006 als sicher gelten dürfte.
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Rechnersammlung Dateigröße: 960 KB, Anzahl Zeichen: 983188 Letzte Code-Änderung: 29.01.2026 18:10:05 Zeichenanzahl dieser Ausgabe: 53028 |